
Dorothea versorgte uns am Sonntag nach dem Wettkampf mit
leckerem Rhabarberkuchen. Kuchen muss eine Teilnahme am Triathlon nicht
verhindern, wie Claudia bewies. Einen leckeren Apfelkuchen von ihr gab es
bereits am Samstag. Wie allerdings Jochen im nächsten Jahr seine Teilnahme mit
seinem Job als Fotograf vereinbaren will, muss er sich in den dazwischen liegenden
Monaten noch überlegen.

Angereist sind wir wie auch schon die Teilnehmerinnen
im letzten Jahr bereits am Samstag. Dieses Jahr ein paar Stunden früher, da
letztes Jahr die Zeit für Zeltaufbau, Streckenerkundung, Meldeunterlagen
abholen und Abendessen knapp bemessen war. Das Samstagprogramm war ansonsten
gleich wie letztes Jahr – auch der Regen am Abend stellte sich ein, und so gab
es in Jochens Kombi, in dem auch schon die Fahrräder von Ulm nach München
transportiert worden waren, einen improvisierten Umtrunk mit Rotwein. Die Matratze, auf
der Jochen schlafen wollte, war neben dem bevorstehenden Wettkampf Gesprächsthema
des ganzen Abends.
Die erste Aufregung erwartete uns beim Abholen der
Meldeunterlagen: Dort mussten wir feststellen, dass Boote über 4,50 m Länge
nicht zugelassen waren. Leider ist uns allen diese Info in der Ausschreibung
nicht aufgefallen. Daniel hatte sich den blauen Vereins-Catalina als
Wettkampfboot ausgesucht. Der Catalina hat aber ca. 4,64 m Länge, d. h. ganze
14 cm zu viel. Nach einigem Hin und Her erhielt Daniel schließlich eine
Ausnahmegenehmigung. Seine Paddelzeit ist letztendlich der Beweis, dass er
nicht mogeln wollte. Sollte ihn jedoch der Paddelehrgeiz noch packen, dann sind
in Zukunft die Plätze seiner Konkurrenz gefährdet.
Zurück zum Samstag Abend. Daniel hat die Melde-Informationen
gelesen und auch entdeckt, dass in meiner Altersklasse die Paddelstrecke
verkürzt ist. „Bin ich schon so alt, dass man mir die gesamte Strecke nicht
mehr zutraut? Soll ich mich freuen oder ärgern? Ist das Diskriminierung?“ Meine
Gedanken hierzu sind schnurz, Regel ist Regel und fertig!

Aufgrund des Regens
gingen wir eine Stunde früher als angemeldet in die von Kerstin übers Internet ausgesuchte
Pizzeria. Das Essen war superklasse gut und dazu günstig, obwohl die
Einrichtung von uns als gehoben eingestuft wurde – schließlich waren wir im
teuren München. Gewählt wurde alles von kohlenhydratreichen Nudelspeisen über
Pizza bis zu Reisgerichten mit Gemüse und Beilagensalat, der sich als eine riesige
Schüssel entpuppte. Alle waren zufrieden und wurden satt. Die meisten gönnten
sich trotzdem noch italienische Nachspeise – Kerstin - die Süße - bestellte
einen ganzen Teller voller Leckereien.

Wohlgenährt und zufrieden kehrten wir in
unsere Zelte bzw. Autos zum Vor-Triathlon-Schlaf zurück. Die ersten Wecker klingelten am nächsten Morgen um 6:30 Uhr.
Nur noch drei Stunden bis zum Start. Der Sonntagmorgen war kühl – geschätzte vier
Grad Plus, meine Zehen wurden in den Sandalen im nassen Gras doch etwas
unterkühlt. Die Sonne zeigte sich zwischen leichten weißen Wolken am Horizont
hinter den Bäumen. Kerstin frühstückte zuerst – sie wollte eine möglichst große Zeitspanne
zwischen letzter Mahlzeit und Wettkampf. Ich ging zuerst unter die Dusche und
frühstückte dann – der allmorgendliche Rhythmus musste sein. Nach und nach
schlichen die anderen aus ihren Zelten bzw. Autos. Kerstin schleppte inzwischen
Taschen und Rücksäcke zum Auto, kümmerte sich um die Boote und Fahrräder. Die
Stimmung war gut. Bei Kerstin war allerdings eine leichte Anspannung zu spüren.
Zwei Minuten nach der angekündigten Abfahrzeit musste ich noch den Kaffe ablassen
und wurde gerügt mit der Bemerkung: „Vor zwei Minuten wollten wir los!“.
Wieder wie im letzten Jahr brachten wir zuerst die Boote und
die Fahrräder in den Wechselzone. Es stellte sich die Frage: „Wo ist der
strategisch günstigste Stellplatz?“. Da wir die Ersten waren, hatten wir die
Qual der Wahl. Reifen wurden nochmal aufgepumpt („Wieviel Druck hast Du im
Reifen?“), Trinkflaschen wurden in die Halterungen gesteckt, Fahrrad- und
Paddelschuhe zum Wechseln gelagert, Müsliriegel verstaut. Die Vorbereitungen
glichen einer logistischen Meisterleistung. Bereits um kurz vor 9 Uhr, eine gute
halbe Stunde vor dem Start, waren wir am Startplatz. Unsere Schlachtenbummler
trudelten alle pünktlich vor dem Start ein und so konnten wir uns ausgiebig
begrüßen. Die Spannung und auch die Außentemperatur stiegen langsam an.
So nach und nach wurden lange Hosen, Pullover und Jacken
fallengelassen und in die Rucksäcke der
ZuschauerInnen verstaut. „Bring doch meine Jacke bitte zum Fahrrad, die
Radstrecke ist im Schatten.“ Jeglicher Wunsch der TriathletInnen wurde erfüllt.
Jetzt noch ein bisschen einlaufen und um Punkt 9:30 Uhr fiel das Kommando:
„Achtung, Fertig, Los!!“ Kerstin und ich zeichneten den kompletten Wettkampf
mit GPS auf. Auch wieder wie letztes Jahr legten die LäuferInnen in einem
Wahnsinnstempo los. Ich versuchte mitzuhalten und wurde in der ersten Kurve von
Claudia eingeholt. Ich verlor Claudia zwar nicht aus den Augen, aber
einzuholen - geschweige denn zu
überholen - war sie nicht. Die ganz Schnellen,
Kerstin, Daniel, Gerhard und Daniela, begegneten mir erst wieder auf der
Paddelstrecke – ich flussaufwärts, die anderen bereits flussabwärts dem Ziel
entgegen.

Die Laufstrecke verläuft wunderschön an beiden Seiten des Isarufers. Leider war
es mir in der Sonne bereits zu heiß und ich
quälte mich, weil ich – GPS-kontrolliert – nicht unter eine Laufgeschwindigkeit
von 10 km/h fallen wollte. Endlich kam auch für mich die Wechselzone in Sicht.
Zum Erholen gönnte ich mir die Zeit und „ging“ die paar Schritte zum Fahrrad
über die Wiese. Die HelferInnen reichten mir einen Pappbecher mit Wasser
gefüllt. Den nahm ich dankbar und trank einen Schluck, den Rest schüttete ich
über meinen hitzigen Kopf. „Jetzt aber rauf aufs Fahrrad.“ Es blieb keine Zeit,
um den Müsliriegel zu essen, der wurde in die Hose gesteckt. Die Ausfahrt aus
der Wechselzone auf die Radrennstrecke verpasste ich und musste unter der
Absperrung durch. „Ob das erlaubt ist?“ Die Ordner nickten mir wohlwollend zu. „In
die Pedale und los.“

Schon höre ich den Jubel unserer UlmerInnen. Das beflügelt
mich, noch schneller in die Pedale zu treten. Der Asphalt ist sehr uneben, meine
Trink-Aluflasche in der Halterung klappert fürchterlich. Ich bin nicht zu
überhören! Leider überholen mich doch einige Rennräder von hinten. Waren die
noch langsamer gelaufen als ich? Doch schon bald kommt nach einer scharfen
Rechtskurve der gefürchtete sehr steile Anstieg. Schrecklich sind die quer zum
Weg verlaufenden Wasserablaufrinnen, die bringen mich völlig aus dem Rhythmus.
„Hört die Steigung denn nicht auf?“ An
einem kleinen Tunnel wird’s ebener. „Habe ich es geschafft?“ Nein, nach dem
Tunnel kommt eine leichte Rechtskurve und es geht weiter bergauf, allerdings
wesentlich moderater. Schließlich schaffe ich es doch noch, im ersten Gang hoch zu radeln.
In Runde zwei und drei zwingt mich ein beginnender Krampf in
der rechten Wade abzusteigen und hoch zu schieben. Es ärgert mich. „Hätte ich
doch die lange Hose anlassen sollen?“ Es ist nicht zu ändern. Schieben ist allerdings
wesentlich weniger anstrengend, leider auch etwas langsamer. Nach dem Tunnel kann
ich wieder aufsteigen. Kurz danach folgt eine lange abfallende Abfahrt durch
ein Waldstück. Ich erinnere mich, dass Kerstin dieses Stück zum Trinken
anpries. Also fingere ich die Alu-Flasche aus der Halterung und versuche mit
den Zähnen die Trinkvorrichtung zu öffnen – geht nicht. Ich zerre etwas und habe
die komplette Abdeckung zwischen den Zähnen, aber keinen einzigen Tropfen
Wasser im Hals. So ein Mist! Hilfe, ich verdurste! Ich sage mir: „Jammer nicht
rum, sondern radle!“ Später habe ich die Idee, den gesamten verdammten
Verschluss abzuschrauben, und komme so doch noch an das begehrte Nass.
Freihändig fahren geht natürlich nicht so schnell wie mit den Händen am Lenker.
„Verliere ich kostbare Zeit? Wenn ich
unten bei den ZuschauerInnen vorbeikomme, schmeiße ich die lästige Flasche in
die Böschung.“ Habe ich natürlich nicht gemacht, sondern auch in Runde zwei und
drei freihändig getrunken. In Runde drei fiel mir auch mein Müsliriegel ein,
den ich öffnete und probierte, aber das war nicht der Hit. Also wieder eingepackt
in die Hose gesteckt.

Endlich, wieder an der Wechselzone. War das jetzt dreimal oder
doch nur zweimal? Die freundlichen HelferInnen winken mich rein. Mein Boot ist
gut zu finden. Es scheint das letzte zu sein. Dorothea hilft mir beim
Einsteigen. Zu spät erkenne ich, dass mein weit von der Strecke entfernt
liegender Sicherheits-Startplatz völlig unnötig ist, weil eine DLRG-Retterin in
Neopren im Wasser steht, um mir ins Boot zu helfen. In einem Affenzahn schiebe
ich meine Beine ins Boot und diesmal streikt die linke Wade mit Krampf. So ein
Mist! Was mache ich jetzt? Ist der Wettkampf vorbei? Aufgeben? – Nein!!!!!

Es
hilft nichts, auch wenn’s Zeit kostet, das Bein muss nochmal raus, Zehen zum
Knie ziehen und warten, dass der Schmerz nachlässt. Es gelingt! Also, Beine
wieder rein ins Boot, Spritzdecke zu, Paddel in die Hände und ich kann endlich
paddeln. „Erst bis zur Brücke paddeln und dann rüber traversieren“, ruft mir
jemand zu. und ich befolge den Rat. Leider lasse ich zu viel Abstand zum Ufer,
was zur Folge hat, dass ein “Dickschiff“ (Invader) an mir und meiner „Flunder“
- wie Daniela das Slalomboot bezeichnet - innen vorbeischiebt. „Hilfe! Das geht
doch nicht. Ich habe doch das schnellere
Boot.“ Leider bin ich nicht so schnell, dass ich außen vorbeikomme. Also spare
ich halt Kräfte und fahre im Kielwasser, obwohl ich doch eigentlich schneller
bin.
Nach ca. einem km paddeln flussaufwärts bei der ersten
Wendemarke werde ich meine Konkurrentin - und sie mich – los. Ich sehe auch
Claudia nun vor mir mit der Strömung kämpfen, will mich aber edel verhalten und
rufe ihr nicht zu. Denn sie muss weiter und ich darf wenden. In diesem Moment
empfinde ich die Regelung der kürzeren Paddelstrecke als Vorteil. Meine Freude,
die Wendemarke erreicht zu haben, teile ich lautstark den OrdnerInnen am Ufer
mit. Natürlich hört das auch Claudia, wie sie mir später erzählt. Soviel zu
meiner Rücksichtnahme. In möglichst engem Bogen paddle ich um „meine“
Wendemarke. Flussabwärts geht’s einfacher und schneller. Trotzdem versuche ich
nochmal alle Kräfte zu mobilisieren und finde, dass ich sehr schnell unterwegs
bin. Der Abstand zu den vorderen Dickschiffen wird kürzer. Vielleicht kann ich
die Frau vor mir – ich glaube, sie kämpft in meiner Altersklasse – noch
einholen.
Die vier Stufen im Isarkanal „Floßlände“ flößen mir (so
meine ich zumindest, die Bilder sprechen eine andere Sprache) heute keine Angst
ein. Denn gestern habe ich noch zur Angstbekämpfung mein Boot die komplette
flussabwärts-Strecke hochgetragen und bin, um die „Gefahren“ kennen zu lernen, runter
gepaddelt. Die ersten drei Schlüsselstellen „Sauloch“, „Weiglwalze“ und
„Schaukelpferd“ bewältigte ich fast wie im Flug.

An der vierten, der
„Surf-Welle“, turnt doch tatsächlich während unseres Wettkampfs ein Surfer in
den Fluten. Ich nehme Rücksicht, fahre zu weit rechts, und das wird mir zum
Verhängnis. Ich muss mich mit der Hand an der Wand abstoßen – kippe ich jetzt? Glücklicherweise nicht, aber ins Kehrwasser hat es mich abgedrängt. Die ganze
Geschwindigkeit ist raus. Der Abstand zu meiner Rivalin hat sich wieder
vergrößert. Die restliche Strecke ist ohne jegliche Strömung, muss also
ausschließlich mit Muskelkraft bewältigt werden, und meine Arme werden jetzt
schwer. Trotzdem kämpfe ich weiter und endlich ist das ZIEL da! Paddel hoch,
nur noch Freude. Den Gedanken einer Freuden-Eskimorolle verwerfe ich gleich
wieder, weil es doch peinlich wäre, wenn ich nicht hochkäme. Also, mit
Paddelbrücke raus aus dem Boot und dann werde ich schon von den anderen
beglückwünscht. Kerstin ist bereits umgezogen. Ein paar Minuten später paddelt
auch Claudia durchs Ziel. Sie ist noch jung und musste die gesamte Strecke
paddeln. Alle Achtung – nach nur einem halben Jahr paddeln schon der erste
Wettkampf – Herzlichen Glückwünsch!
Inzwischen ist durch
Presse und Bilder bekannt, dass Kerstin und Daniela Platz 1 in ihrer
Boots-/Altersklasse belegt haben und ich in meiner Altersklasse 3 den 3. Platz.
Claudia, Gerhard und Daniel konnten Platz 4, 5 und 7 in ihrer Gruppe belegen. Der
Rhabarberkuchen von Dorothea wurde eingangs schon erwähnt. Jochens Matratze
diente als Relax-Sofa.

Nina hatte den Finish-Sekt mit Limes in der Tasche. Die offizielle
Siegerehrung fand bei Sonne und warmen Temperaturen – ich suchte Schatten – im
schönen Garten des Vereins satt. Kerstin, Daniela und ich durften unter
lautstarkem Beifall aller UlmerInnen aufs Treppchen. Später mussten noch die
Zelte abgebaut werden und dann setzte sich die Ulmer Karawane wieder Richtung
Ulm in Bewegung.
Nächstes Jahr am ersten Mai-Wochenende ist wieder
Kanu-Triathlon in München-Thalkirchen. Wir haben uns alle fest vorgenommen,
wieder teilzunehmen. Wir freuen uns auf weitere TeilnehmerInnen.
Petra Mang
Zur Picasa-Fotogalerie